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Wunsiedel zeigt Wohnform der Zukunft 16.02.2015

Experten aus Forschung und Industrie sind vom Wohnlabor fasziniert.

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Wunsiedel zeigt Wohnform der Zukunft


Datum: 
16.02.2015

Experten aus Forschung und Industrie sind vom Wohnlabor fasziniert. Die Räume in der Dr.-Schmidt-Straße 7 passen sich selbstständig dem Energiebedarf der Bewohner an.
Von Matthias Bäumler

Wunsiedel -Gemeinhin gelten Altbauwohnungen als die faulen Zähne der Energiewende. Sie sind schlecht gedämmt, haben Heizungen mit Dinosauriertechnik und Deckenhöhen jenseits von Gut und Böse. Wie derartige Mehrfamilienhaus-Wohnungen ohne riesigen baulichen Aufwand in die Zukunft katapultiert werden können, zeigt der WunsiedlerEnergieversorger SWW zusammen mit dem E-Home-Center der Universität Erlangen und mehreren Hightech-Unternehmen in der Dr.-Schmidt-Straße 7.
Dass es sich um weit mehr als ein Projekt handelt, zeigen die Besucher, die sich zur Eröffnung des "Wohnlabors" eingefunden haben: Mehr als hundert Energie-Experten aus sieben Universitäten und Hochschulen, Forscher und Entwickler aus international agierenden Betrieben sowie Vertreter von Verbänden und Vereinen wollten sehen, wie die Energiewende "madein Wunsiedel" im Kleinen funktioniert.

Auf dem ersten Blick ist die Wohnung unspektakulär: Wohn-, Arbeits-, Esszimmer, Küche und Bad auf 100 Quadratmetern. Laminatboden, helle Möbel und weiße Wände bescheren eine gemütliche Atmosphäre. Und doch ist hier alles etwas anders. Der einzige sichtbareHinweis ist ein kleines Kästchen, das auf einem Sockel steht -es ist das Gehirn der Wohnung. Hier laufen alle Daten zusammen, die den Energie-und Wärmebedarf selbstständig an den jeweiligen Bedarf der Bewohner anpassen. Alle Leitungen, Sensoren und Chips sind unsichtbar verlegt.

Sinn des Projekts Wun-Wohnlabor ist zunächst einmal das Energiesparen. Im Idealfall können derartige Wohnungen aber auch als Energiespeicher für die Energieversorger eine wichtige Rolle spielen. Wie SWW-Geschäftsführer Marco Krasser erläutert, ist die Herausforderung der Energiewende, schwankende Energie-Einspeiseraten so zu gestalten, dass die Netze dennoch mit einer stabilen Spannung betrieben werden können. Als Energiespeicher, etwa wenn die Sonne scheint, Wind bläst und eine Menge regenerativer Energie erzeugt wird, können Wohnungen dienen. Hier erlebt auch der Elektro-Speicherofen, wenn auch in modifizierter Form, eine Renaissance. Mit der installierten Technik im Wun-Wohnlabor lässt sich der Energieverbrauch auf die Hälfte im Vergleich zu einer herkömmlichen Wohnung reduzieren. Dr. Gerhard Kleineidam, Geschäftsführer des E-Home-Centers der Universität Erlangen, sieht in der Wohnung ein technisches Ökosystem, angelehnt am Prinzip eines Ameisenstaates. "Jede Ameise ist ein Individuum und kümmert sich eigenständig um verschiedene Aufgaben. Doch nur in einem kommunizierenden Gesamtsystem ist der Staat lebensfähig." Auf die Wohnung übertragenbedeutet dies, dass zum Beispiel alle technischen Geräte ein kommunizierendes System bilden. So werde immer nur dann Energie angefordert, wenn sie auch wirklich benötigt werde. Plakativ lässt sich das anhand der Raumtemperatur darstellen. Diese liegtimWohnlabor bei knapp 17 Grad. Dennoch empfindet sie niemand als kühl. Eine Infrarotheizung an den Wänden liefert dank eingebauterSensoren immer genau dann Wärme, wenn jemand in der Nähe ist. "Das ist ein Gefühl, als wenn man von der Sonne angestrahlt würde", sagt Krasser.